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Existenzangst: Was sie auslöst und was Halt gibt
Existenzangst kann eine sehr konkrete Sorge um Arbeit, Geld und Zukunft sein oder ein tiefes Gefühl, keinen sicheren Boden unter den Füßen zu haben. Wie beides zusammenhängen kann, was praktisch hilft und wo du Unterstützung findest.
Coaching & Begleitung, Berlin-Friedrichshain · aktualisiert im Oktober 2026
Inhalt
Was ist Existenzangst?
Mit Existenzangst sind meist zwei verschiedene Erfahrungen gemeint. Die eine ist sehr konkret: die Sorge, den Job zu verlieren, die Miete nicht mehr zahlen zu können oder im Alter nicht abgesichert zu sein. Sie entsteht oft in Umbruchphasen, etwa nach einer Kündigung, in der Selbstständigkeit, nach einer Trennung oder bei Krankheit.
Die andere ist schwerer zu fassen. Sie beschreibt das Gefühl, grundsätzlich keinen sicheren Boden zu haben, als könnte jederzeit alles wegbrechen. Diese Angst braucht keinen äußeren Anlass. Sie kann auch dann da sein, wenn objektiv alles in Ordnung ist.
Beide Formen sind real, und beide verdienen es, ernst genommen zu werden. Oft treten sie gemeinsam auf.
Woran du Existenzangst erkennen kannst
Existenzangst zeigt sich nicht nur in Gedanken, sondern auch im Körper und im Verhalten. Häufig sind zum Beispiel:
Rechnen ohne Ende
Du gehst Zahlen, Szenarien und Notfallpläne immer wieder durch, ohne dass es dich ruhiger macht.
Nachts wach
Die Sorgen kommen besonders abends oder in den frühen Morgenstunden, wenn nichts zu tun ist außer zu denken.
Erstarren oder Dauerbetrieb
Entweder schiebst du Briefe, Kontoauszüge und Entscheidungen vor dir her, oder du arbeitest pausenlos, um jede Unsicherheit auszuschließen.
Kein Boden unter den Füßen
Ein Gefühl von Haltlosigkeit, Enge in der Brust oder ein flaues Gefühl im Bauch, das sich mit Argumenten kaum beruhigen lässt.
Viele schämen sich für diese Angst, besonders wenn sie nach außen hin gut dastehen. Scham macht es schwerer, darüber zu sprechen, und das Schweigen verstärkt die Angst oft noch.
Wenn die aktuelle Lage auf alte Unsicherheit trifft
Manche Menschen verlieren ihren Job und sind beunruhigt, bleiben aber handlungsfähig. Andere erleben dasselbe und fühlen sich, als würde der Boden unter ihnen nachgeben. Ein Grund kann sein, dass eine aktuelle Bedrohung auf eine viel ältere Unsicherheit trifft.
Das Gefühl, in der Welt sicher und willkommen zu sein, entsteht sehr früh, lange bevor wir darüber nachdenken können. Wer als Kind wenig verlässlichen Halt erlebt hat, etwa durch Unruhe in der Familie, Geldsorgen der Eltern, häufige Umzüge oder Eltern, die selbst sehr belastet waren, trägt manchmal ein Grundgefühl von Unsicherheit in sich. Im Alltag fällt es kaum auf. Wenn aber Arbeit, Geld oder Gesundheit ins Wanken geraten, springt es an, und die heutige Sorge bekommt die Wucht einer sehr alten Angst.
Das ist kein Fehler und keine Schwäche. Es erklärt nur, warum gutes Zureden oft nicht reicht. Hilfreich ist, beides auseinanderzuhalten: Was ist heute tatsächlich bedroht, und was fühlt sich so existenziell an, weil es an etwas Älteres rührt?
Auch manche Strategien, die heute belasten, haben hier ihren Ursprung: alles kontrollieren wollen, sich unentbehrlich machen, nie um Hilfe bitten. Das waren einmal sinnvolle Lösungen, um in einer unsicheren Lage Halt zu finden. Warum gerade das Letzte so schwerfallen kann, beschreibt der Artikel Hilfe annehmen.
Wenn Arbeit mehr ist als Einkommen
Arbeit sichert nicht nur das Einkommen. Für viele ist sie auch Struktur, Zugehörigkeit und ein wichtiger Teil dessen, wer sie sind. Wenn der Job wegfällt oder unsicher wird, geht es deshalb oft um mehr als um Geld: um Anerkennung, um den eigenen Platz, um die Frage, was einen trägt.
Manchmal meldet sich Existenzangst auch, bevor äußerlich etwas passiert. Etwa wenn der Job innerlich schon lange nicht mehr trägt und die Angst vor einer Veränderung jeden Schritt blockiert. Mehr dazu findest du unter Wenn der Job nicht mehr trägt.
Manchmal hängt an der Arbeit ein Maßstab, der nicht ganz deiner ist: was man erreicht haben muss, um etwas wert zu sein. Dann kann die Frage entlasten, wie viel Sicherheit du selbst brauchst und wie viel du für andere herstellst.
Was praktisch helfen kann
Bei Existenzangst ist beides wichtig: die konkrete Lage ordnen und dem Körper Halt geben. Das eine ersetzt das andere nicht.
- Die Lage sortieren. Schreib auf, was tatsächlich feststeht: Einnahmen, Ausgaben, Fristen, Rücklagen. Getrennt davon notierst du, was du befürchtest. Oft wird schon durch diese Trennung sichtbar, dass das Befürchtete größer ist als das Bekannte.
- Den nächsten Schritt festlegen. Du musst nicht den ganzen Weg planen. Es reicht der nächste machbare Schritt: einen Brief öffnen, einen Anruf machen, einen Termin vereinbaren.
- Fachliche Beratung nutzen. Bei Schulden helfen Schuldnerberatungsstellen; bei gemeinnützigen Trägern wie Wohlfahrtsverbänden ist die Beratung meist kostenlos. Allgemeine Sozialberatungen unterstützen bei Fragen zu Ansprüchen und Anträgen. Bei drohendem Jobverlust ist die Agentur für Arbeit eine erste Anlaufstelle.
- Sorgen-Zeit begrenzen. Leg eine feste Zeit am Tag fest, in der du dich mit Zahlen und Plänen beschäftigst. Außerhalb dieser Zeit kannst du die Sorgen bewusst beiseitelegen, weil du weißt, dass sie ihren Platz haben.
- Darüber sprechen. Existenzangst wächst im Verborgenen. Ein Gespräch mit einer vertrauten Person kann entlasten, auch wenn es das Problem nicht sofort löst.
- Boden spüren. Wenn die Angst hochkommt, stell die Füße fest auf den Boden, spür dein Gewicht und atme länger aus als ein. Das löst keine Geldsorge, kann aber helfen, wieder klarer zu denken.
Existenzangst und Körperarbeit
Die tiefe Form der Existenzangst lässt sich selten wegdenken. Sie sitzt im Körper: in einem flachen Atem, einem angespannten Bauch, in Beinen, die sich nicht ganz verlässlich anfühlen. In der Körperpsychotherapie kann es darum gehen, Halt ganz konkret zu erfahren: den Boden unter den Füßen, das eigene Gewicht, einen festen Stand, eine Wirbelsäule, die trägt.
Das ersetzt keine Lösung für finanzielle Fragen. Aber aus einem sichereren Stand heraus lassen sich Entscheidungen oft klarer treffen. Du bestimmst dabei, wie weit du gehst. Wenn sich die Angst eher als allgemeine Nervosität zeigt, findest du mehr im Artikel Innere Unruhe.
Wann du dir Unterstützung holen solltest
Wenn die Angst dich über Wochen kaum schlafen lässt, du dich nicht mehr konzentrieren kannst, Panikattacken auftreten oder du dich zunehmend zurückziehst, ist eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung sinnvoll. Körperliche Beschwerden wie Herzrasen oder anhaltende Magenprobleme solltest du ebenfalls ärztlich abklären lassen.
Existenzielle Krisen können so überwältigend werden, dass das Leben selbst sinnlos erscheint. Wenn du Gedanken hast, nicht mehr leben zu wollen, hol dir sofort Hilfe: beim Berliner Krisendienst unter 030 390 63-10 oder bundesweit bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 (kostenlos, rund um die Uhr). Im Notfall wähle 112.
Wenn mehreres auf einmal ins Wanken gerät, findest du im Artikel Lebenskrise weitere Anregungen.
Häufige Fragen zu Existenzangst
Was bedeutet Existenzangst?
Existenzangst ist die Angst, die eigene Lebensgrundlage zu verlieren. Gemeint ist oft die konkrete Sorge um Arbeit, Geld oder Wohnung, manchmal aber auch ein tieferes Gefühl, keinen sicheren Boden unter den Füßen zu haben, unabhängig von der äußeren Lage.
Was tun bei Existenzangst?
Hilfreich ist, die Lage zu sortieren, also Fakten von Befürchtungen zu trennen, und den nächsten machbaren Schritt anzugehen. Fachliche Beratung, etwa eine Schuldner- oder Sozialberatung, kann entlasten. Ebenso wichtig ist, dem Körper Halt zu geben und mit vertrauten Menschen darüber zu sprechen.
Warum habe ich Existenzangst, obwohl es mir finanziell gut geht?
Das ist nicht ungewöhnlich. Oft steckt dahinter ein älteres Gefühl von Unsicherheit, das wenig mit dem Kontostand zu tun hat. Dann hilft mehr Geld meist nicht dauerhaft, wohl aber die Erfahrung von Halt und Sicherheit im eigenen Körper und in Beziehungen.
Kann Existenzangst krank machen?
Anhaltende Angst und Sorgen können mit Schlafproblemen, Anspannung und Erschöpfung einhergehen. Ob körperliche Beschwerden damit zusammenhängen, lässt sich nur ärztlich klären. Wenn die Angst deinen Alltag bestimmt, ist eine psychotherapeutische Abklärung sinnvoll.
Wo bekomme ich Hilfe bei Geldsorgen?
Bei Schulden sind Schuldnerberatungsstellen eine gute Anlaufstelle; bei gemeinnützigen Trägern ist die Beratung meist kostenlos. Allgemeine Sozialberatungen helfen bei Fragen zu Ansprüchen und Anträgen. Bei drohendem Jobverlust ist die Agentur für Arbeit die erste Anlaufstelle.
Ist das eine Therapie?
Nein. Ich bin ausgebildet in Systemischer Körperpsychotherapie und anderen Verfahren und arbeite damit, aber als Coach und Begleiter, nicht als Psychotherapeut. Wenn Existenzangst in eine Angststörung oder Depression übergeht oder du Gedanken hast, nicht mehr leben zu wollen, ist eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung der richtige Ort.
Was kostet eine Begleitung?
Das Erstgespräch (etwa 30 Minuten) ist kostenlos. Eine Sitzung kostet 100 € (60 Min.) oder 140 € (90 Min.). Mehr unter Preise.
In Berlin?
So läuft eine Begleitung bei mir ab.
01 Erstgespräch, etwa 30 Minuten, kostenlos.
02 Erste Sitzung in Berlin-Friedrichshain, 60 oder 90 Minuten.
03 Begleitungen dieser Art umfassen häufig 5 bis 15 Sitzungen. 100 € (60 Min.) · 140 € (90 Min.)
Lieber telefonieren?
01512 3475145
Nicht in Berlin?
Dann nimm aus diesem Text mit, was dir hilft, und such dir jemanden vor Ort, bei dem du dich gut aufgehoben fühlst. Die Beziehung zur begleitenden Person gilt in der Forschung als einer der wichtigsten Wirkfaktoren, oft wichtiger als die Methode.
Wenn es gerade nicht mehr geht
Berliner Krisendienst, rund um die Uhr, kostenlos: 030 390 63-10. Bundesweit: Telefonseelsorge 0800 111 0 111.