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Neurogenes Zittern: Wie Schütteln helfen kann, Anspannung abzugeben
Nach einem Schreck zittern die Knie, nach einer Prüfung die Hände: Zittern ist eine natürliche Reaktion des Körpers. Was hinter neurogenem Zittern steht, wofür bewusstes Schütteln gut sein kann, welche Übungen es gibt und worauf du achten solltest.
Coaching & Begleitung, Berlin-Friedrichshain · aktualisiert im Oktober 2026
Inhalt
Was ist neurogenes Zittern?
Mit neurogenem Zittern ist ein unwillkürliches Zittern gemeint, das vom Nervensystem ausgeht, nicht von Kälte oder Anstrengung. Viele kennen es aus Momenten großer Anspannung: nach einem Unfall, vor einem Auftritt, nach einem Streit. Der Körper hat Energie für Kampf oder Flucht bereitgestellt, und das Zittern kann ein Weg sein, sie wieder abzubauen.
Bei Tieren lässt sich das häufig beobachten: Nach einer Gefahr schütteln sie sich und gehen weiter. Menschen unterdrücken das Zittern oft, weil es peinlich oder unkontrolliert wirkt.
Wofür Schütteln gut sein kann
Zittern muss nicht von selbst kommen. Schütteln lässt sich auch bewusst einsetzen, um Stress und Anspannung abzubauen. Zum Beispiel nach einer belastenden Situation, etwa einem schwierigen Gespräch, einem Konflikt oder einem Schreck.
Oder nach der Arbeit, besonders in Berufen, in denen man körperlich kaum Spannung loswird oder den ganzen Tag für andere da ist: in der Pflege, in Beratung und Therapie, im Lehrberuf, am Telefon oder am Schreibtisch. Ein paar Minuten Schütteln können helfen, den Arbeitstag und die Themen anderer leichter hinter sich zu lassen. Als festes Ritual markieren sie zugleich den Übergang vom Beruf ins Private.
In der Anspannung steckt oft auch, was du den Tag über für andere gehalten hast: ihre Erwartungen, ihre Themen. Beim Schütteln kannst du spüren, was davon zu dir gehört und was nicht.
Viele Menschen erleben nach dem Schütteln eine spürbare Entspannung: Die Schultern sinken, der Atem wird tiefer, der Kopf wird ruhiger. Das deckt sich mit der Idee, dass der Körper so gebundene Anspannung abgeben kann.
Die wissenschaftliche Studienlage zu TRE und ähnlichen Übungen ist bisher überschaubar. Es gibt erste Untersuchungen, aber wenige große, kontrollierte Studien. Schütteln ist deshalb keine Behandlung, sondern eine einfache Möglichkeit, körperlich zur Ruhe zu kommen. Ob es dir guttut, findest du am besten selbst heraus.
Übungen, die mit Zittern und Schütteln arbeiten
Es gibt verschiedene Ansätze, die das Zittern oder Schütteln bewusst nutzen:
TRE
Die Tension and Trauma Releasing Exercises nach David Berceli lösen mit einer kurzen Übungsfolge ein Zittern aus, meist in Beinen und Becken. TRE wird von eigens ausgebildeten Anleitern vermittelt.
Dynamische Meditation
Eine aktive Meditation mit Phasen von Atmen, Bewegung und Schütteln, gefolgt von Stille. Sie geht auf den indischen Lehrer Osho zurück.
Freies Schütteln
Im Stehen, Knie locker, den ganzen Körper ausschwingen lassen, wie ein nasser Hund. Einfach und ohne Vorkenntnisse möglich.
Schütteln mit Vorstellung
Beim Schütteln bewusst an eine belastende Situation denken und sie gedanklich „in den Boden schütteln“. So verbindet sich die Bewegung mit einem Thema.
Wem Schütteln zu seltsam vorkommt: Mit dem ganzen Körper zu kräftigerer Musik zu tanzen, erfüllt einen ähnlichen Zweck.
Ich bin kein ausgebildeter TRE-Anleiter. In meiner Arbeit nutze ich freies Schütteln und Elemente der Dynamischen Meditation, wie ich sie in der Ausbildung in systemischer Körperpsychotherapie kennengelernt habe.
Eine einfache Übung zum Ausprobieren
- Hinstellen. Füße etwa hüftbreit, Knie leicht gebeugt, Becken locker.
- Federn. Aus den Knien leicht nach oben und unten federn, ohne Anstrengung. Die Arme hängen lassen.
- Ausbreiten. Die Bewegung langsam in den ganzen Körper wandern lassen: Becken, Bauch, Schultern, Arme, Kopf. Der Kiefer darf locker sein.
- Weitermachen. Zwei bis fünf Minuten, mit Musik, wenn du magst. Atme durch den Mund aus.
- Stillstehen. Dann aufhören und eine Minute still stehen. Spüre nach, was sich verändert hat.
Als Ritual nach der Arbeit kannst du beim Schütteln bewusst an den Tag denken und ihn mit der Bewegung in den Boden gehen lassen. Danach beginnt der Feierabend.
Wenn dabei starke Gefühle oder Bilder auftauchen, hör auf, schau dich im Raum um und spüre deine Füße auf dem Boden.
Worauf du achten solltest
Schütteln ist für die meisten Menschen gut verträglich. Vorsicht ist geboten, wenn du körperliche Einschränkungen hast, etwa Gelenk- oder Rückenprobleme, Epilepsie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder eine Schwangerschaft. Dann klär vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, ob die Übung für dich geeignet ist.
Wenn du schwere belastende Erfahrungen gemacht hast, kann das Zittern Erinnerungen oder starke Gefühle wecken. Dann ist es besser, mit einer erfahrenen Begleitung zu üben oder das Thema in einer Psychotherapie anzugehen, statt allein immer tiefer zu gehen.
Schütteln in der Körperarbeit
In der Körperpsychotherapie kann Schütteln am Anfang einer Sitzung helfen, anzukommen und aus dem Kopf in den Körper zu wechseln. Manchmal wird es auch gezielt eingesetzt, um Anspannung abzugeben, die mit einem Thema verbunden ist.
Für den Alltag eignen sich auch andere Wege, zur Ruhe zu kommen. Wer lieber still übt, findet im Autogenen Training eine gut erprobte Alternative.
Häufige Fragen zu neurogenem Zittern
Ist neurogenes Zittern gefährlich?
Für gesunde Menschen ist bewusstes Schütteln in der Regel unbedenklich. Bei körperlichen Erkrankungen, in der Schwangerschaft oder nach schweren belastenden Erfahrungen solltest du vorher ärztlichen oder therapeutischen Rat einholen.
Wie oft sollte ich schütteln?
Es gibt keine feste Regel. Viele üben ein paar Minuten am Tag, zum Beispiel nach der Arbeit, oder dann, wenn sie Anspannung bemerken. Wichtiger als die Dauer ist, danach kurz nachzuspüren.
Was ist der Unterschied zwischen TRE und Schütteln?
TRE ist eine festgelegte Übungsfolge, die ein unwillkürliches Zittern auslöst und von ausgebildeten Anleitern vermittelt wird. Freies Schütteln ist eine willkürliche Bewegung, die du jederzeit selbst steuerst.
Hilft Schütteln gegen Stress?
Viele erleben es als entspannend, etwa nach einer belastenden Situation oder als kurzes Ritual nach der Arbeit. Ob und wie stark es wirkt, ist individuell und wissenschaftlich noch wenig untersucht. Bei anhaltendem Stress lohnt sich auch der Blick auf die Ursachen.
Was, wenn ich nicht aufhören kann zu zittern?
Setz dich hin, öffne die Augen, spüre die Füße auf dem Boden und atme ruhig aus. In der Regel klingt das Zittern dann ab. Wenn es dich beunruhigt, klär es ärztlich ab.
Was kostet eine Begleitung?
Das Erstgespräch (etwa 30 Minuten) ist kostenlos. Eine Sitzung kostet 100 € (60 Min.) oder 140 € (90 Min.). Mehr unter Preise.
In Berlin?
So läuft eine Begleitung bei mir ab.
01 Erstgespräch, etwa 30 Minuten, kostenlos.
02 Erste Sitzung in Berlin-Friedrichshain, 60 oder 90 Minuten.
03 Begleitungen dieser Art umfassen häufig 5 bis 15 Sitzungen. 100 € (60 Min.) · 140 € (90 Min.)
Lieber telefonieren?
01512 3475145
Nicht in Berlin?
Dann nimm aus diesem Text mit, was dir hilft, und such dir jemanden vor Ort, bei dem du dich gut aufgehoben fühlst. Die Beziehung zur begleitenden Person gilt in der Forschung als einer der wichtigsten Wirkfaktoren, oft wichtiger als die Methode.
Wenn es gerade nicht mehr geht
Berliner Krisendienst, rund um die Uhr, kostenlos: 030 390 63-10. Bundesweit: Telefonseelsorge 0800 111 0 111.